Die Sorben

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Die Sorben

(Die Sorben – kurzer Auszug aus der Geschichte)

Bereits im 6./7. Jahrhundert besiedelten im Zuge der Völkerwanderung sorbische Stämme die Gebiete ungefähr von der Oder bis zur Saale und vom Fichtelgebirge bis zur Ostsee.

Der Stamm der Milzener und der Stamm der Lusizer ließen sich im Raum der heutigen Ober- bzw. Niederlausitz nieder. Sie lebten von Ackerbau und Viehzucht, aber auch von Fischfang, Jagd und Bienenzucht.

Das friedliche Leben sollte nicht lange andauern. Bereits im 10. Jahrhundert verloren die beiden Stämme ihre politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit, als Heinrich der I. die sorbischen Stämme militärisch unterwarf.

Nachdem die Reformation ein Aufblühen der sorbischen Kultur mit sich brachte, versuchten einige Pfarrer in der Lausitz erstmals, die sorbische Sprache auf die Stufe einer Schriftsprache zu heben. Bereits im 16. Jahrhundert wurde das Neue Testament ins Sorbische übersetzt. Die ersten gedruckten Bücher in sorbischer Sprache entstanden.

Im 17. Jahrhundert leitete der Staat Maßnahmen ein, die sorbische Sprache zu beseitigen. So wurden beispielsweise sorbische Bücher vernichtet und der sorbische Gottesdienst abgeschafft. Allerdings waren diese Bestrebungen in den verschiedenen Gebieten unterschiedlich ausgeprägt.

Ab  dem 18. Jahrhundert entwickelten sich jedoch unter den Sorben Aktivitäten, die die „nationale Wiedergeburt“ einleiteten. In Prag wurde zum Beispiel das wendische Seminar gegründet, um den sorbischen Priesternachwuchs zu garantieren. In Sachsen wurde der sorbische Lese- und Religionsunterricht in den Schulen gestattet. Es wurde wieder eine sorbische Zeitung gedruckt; Gesangsfeste fanden regelmäßig statt.

In der Zeit von 1933 bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurden sorbische Institutionen, Vereine und das Erscheinen der sorbischen Zeitungen verboten. Archive und Bibliotheken wurden beschlagnahmt. Der Sorbisch-Unterricht an den Schulen wurde eingestellt. Es gab  Zwangsaussiedlungen von sorbischen Pfarrern, Lehrern und anderen Intellektuellen aus der Lausitz.

Im Mai 1945 gründete sich die Domowina, der Dachverband der sorbischen Vereine und Verbände, neu. Sorbische Zeitungen wurde wieder herausgegeben, ein sorbisches Volkstheater wurde gegründet, sorbische Schulen wurden geschaffen. 1948 bzw. 1950 wurde in Sachsen und Brandenburg ein Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung verabschiedet.

Die Domowina orientierte sich dabei jedoch zunehmend an der Ideologie und den Zielen der SED.

Der Zusammenbruch der DDR im Herbst 1989 brachte auch für die sorbische Bevölkerung eine neue Situation. Der Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR sichert den Sorben den Schutz ihrer nationalen Identität zu und garantiert die Gleichberechtigung ihrer Sprache und Kultur. Diese Rechte wurden im Jahr 1992 in die Verfassungen der Bundesländer Sachsen und Brandenburg aufgenommen. Sichtbares Zeichen dafür ist beispielsweise die zweisprachige Beschriftung der Ortsschilder, der Straßennamen und der öffentlichen Einrichtungen im sorbischen Sprachgebiet.

Viele Themen könnte man diesem kurzen Abriss noch hinzufügen: über die Sprache, über Literatur und Kunst sowie Musik, über Traditionen und Bräuche und über die unterschiedlichen Trachten. Aber seien Sie doch einfach gespannt auf unseren gemeinsamen Stadtrundgang, bei dem Sie dazu noch viel Interessantes hören können.

Weitere Informationen unter www.sorben.de

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